Richard beim Üben seiner Schwertkünste.

Noble Wisdom hat beschlossen, eine Serie von Porträts von nicht-chinesischen Falun Dafa-Praktizierenden zu erstellen. Dies geschieht mit mehreren Zielen. Unter anderem um Menschen, die mit  Falun Dafa vertraut oder auch nicht vertraut sind, zu inspirieren und ihnen verschiedene Perspektiven und Lebenswege zu zeigen. Diese liegen alle auf dem großen Kultivierungsweg des Falun Dafa. Eine weitere Absicht ist es, den Menschen einige Beispiele für die Ansichten und Lebensstile dieser Praktizierenden zu zeigen.

In unserem ersten Artikel stellen wir einen langjährigen Praktizierenden aus Schweden vor, der seit 27 Jahren in der Schweiz lebt: den 47-jährigen Richard Kleinert. Ich hatte das Vergnügen mit dem bescheidenen Kung-Fu-Meister, der in Zürich lebt, über Lebens- und Kultivierungsfragen zu sprechen. Die Zeit verging während unseres Gesprächs im Fluge und ich kann ehrlich sagen, dass ich mich geehrt fühle ein Freund von Richard zu sein. Meiner Meinung nach sind seine Demut und Einfachheit die Grundlagen seiner Weisheit und seiner tief verwurzelten Kräfte.

 

Hintergrund

Richards Vater ist Schweizer und seine Mutter Schwedin. Er wuchs in einer kleinen schwedischen Stadt nahe der norwegischen Grenze in einer siebenköpfigen Familie auf. In seiner Familie praktizierte fast jeder von klein auf Kampfkunst. Richard hatte ein besonders starkes Interesse daran und er praktizierte Kampfkunst mit großer Intensität als auch Leidenschaft. Richard hat westliches Boxen, Wing Chun, Kali Escrima, Shaolin Kung Fu, Tai Chi Quan und viele andere Systeme des buddhistischen und taoistischen Systems aus China und Japan praktiziert.

Richard erlernte Kung Fu von Taky Kimura

                

Taky Kimura und Bruce Lee um 1962

Nach Abschluss seines Studiums in Alternativmedizin und  Naturwissenschaft im Jahr 1990, zog er in die Schweiz nach Zürich – in die Heimat seines Vaters. 1994 reiste er in die USA und praktizierte Kampfkunst unter der Leitung des großen Meisters Taky Kimura, einem der engsten Freunde, Co-Schauspieler und Top-Schüler der Legende Bruce Lee.

Richard erklärt: Die Zeit mit Taky Kimura in Seattle war relativ kurz, aber nicht weniger lehrreich. Ich spürte, dass mir die Prinzipien der Einfachheit, Spontaneität und Natürlichkeit von Jeet Kune Do (JKD) ans Herz gewachsen waren.

Obwohl das JKD-Prinzip das Leitprinzip meiner Kampfkunst war, wollte ich nicht den Namen von Bruce Lees “Jeet Kune Do” sowie seinen Ruf für meine neue Schule verwenden.

Bruce Lee lehrte, dass man an sich selbst und an seine Einzigartigkeit glauben und andere nicht wie ein Papagei imitieren soll. Einige Leute haben Bruce Lees Techniken und Bewegungen wirklich sehr gut gelernt. Trotzdem können sie nicht Bruce Lee sein, egal wie gut sie sind. Es wird immer nur einen Bruce Lee geben. Es geht wirklich nicht darum, das Gleiche wie Bruce Lee oder irgendjemand anders zu werden. Es geht darum, sich selbst zu sein und sich selbst zu schätzen. Das ist unsere wichtigste Lebensaufgabe. Das Streben danach, anders zu sein als das was wir bereits sind, beraubt uns unseres eigenen Selbstwerts und inneren Friedens.

Unser Wert lässt sich nicht an unseren Fähigkeiten und Handlungen messen. Jedes einzelne Leben ist absolut einzigartig und unermesslich wertvoll.

Um die Einzigartigkeit und den Wert jeder Person voll auszudrücken, gab es keinen passenderen Namen als “Zi Rǎn”. Und so entstand die “Zi Rǎn Wu Yi Kung Fu Schule”.

Richard gründet seine eigene Kung Fu Schule

Richard und seine Schüler im Trainingslager in Schweden 2015

Inspiriert von den hohen philosophischen Werten, der inneren Stärke und dem Reichtum der chinesischen Kampfkunst gründete Richard 1998 die Zī Rǎn Wu Yi Kung Fu Schule in Zürich, um Zugang zu den uralten Schätzen und Weisheiten dieser zeitlosen Tradition der Kampfkunst zu ermöglichen. Richard vermittelt seine tiefen Einblicke über  Kung Fu und führt seine Schüler gleichzeitig in die wunderbare Kultivierungspraxis des Falun Dafa ein. Der Begriff Zī Rǎn ist nicht direkt als Kampfstil zu verstehen, er ist vielmehr als Leitgedanke und Schlüsselprinzip für diese Art der Kampfkunst zu verstehen. Im Chinesischen bedeutet Zì Rán wörtlich Selbst oder natürliches (Rán) Selbst (Zì). Es bezeichnet die ursprüngliche Natur aller Dinge, gleichbedeutend mit geistiger Klarheit – der Grundlage für alles, was wir tun. “Wu Yi” wurde in der nördlichen Song-Dynastie für den Begriff “Kampfkunst” verwendet.

In die Kampfkunst umgesetzt bedeutet Zì Rán Synchronisation und Harmonie von erlernten Techniken sowie natürlichem, spontanem Instinkt. Zì Rán Wǔ Yì Kūng Fū ist die subtile Kunst, die Essenz des Geistes mit der Technik zu vereinen, in der sie zur Entfaltung kommt.

Richard erklärt, dass Kampfkunst eine besondere Kunst ist. Denn es ist ihre Natur, dass Freude, Leid, Leben und Tod sehr nahe beieinander liegen.

Wenn ein Kung Fu-Praktizierender auf seinen Egoismus verzichten und die Idee von Leben und Tod loslassen kann, dann kann er in die Gegenwart eintreten, wo die wahre Realität stattfindet. Es tritt ein herrlicher und befreiter Zustand des Seins ein. Die Kampfkunst beinhaltet die Selbsterziehung und die Selbsterforschung. Es handelt sich um ein sehr tiefgründiges Thema – die eigene Selbstverwirklichung. Das macht die Kampfkunst zu einer Wissenschaft und Lebenskunst. Zudem ist jede Person einzigartig und deshalb muss jeder Schüler seinen eigenen, natürlichen Stil des Kung Fu finden, um sein volles Potential auszuschöpfen. Deshalb muss der Unterricht genügend Raum bieten, damit die einzigartigen Eigenschaften jeder Person zum Ausdruck gebracht werden können.

Es gibt drei Stufen in Richards Kung Fu. Die erste ist, zu lernen wie man sich selbst schützt. Die mittlere Stufe umfasst sowohl den Schutz für sich selbst als auch für andere. Das höchste Niveau erfordert, sich selbst und andere zu schützen und dabei gleichzeitig das Wohlbefinden des Gegners zu wahren. Richard hat erkannt, dass wir, wenn wir den Widerstand in uns selbst loslassen können (welcher meistens durch Angst verursacht wird), andere beruhigen können und wir unseren Körper automatisch auf die natürlichste und effektivste Weise bewegen werden. So werden Verletzungen von uns selbst, sowie unserem Gegner vermieden.

 

Richard beginnt mit der Kultivierung im Falun Dafa

Das Falun-Symbol beinhaltet das drehende Swastika Zeichen aus dem Buddhistischen System und das drehende Taiji Zeichen aus dem Taoistischen System.

Ein lebensveränderndes Geschehnis für Richard ereignete sich 1997, als er von einem neuen spirituellen Kultivierungsweg, genannt Falun Dafa, erfuhr. Falun Dafa basiert auf der Verbesserung des eigenen Charakters indem man im täglichen Leben immer den Grundsätzen von “Wahrhaftigkeit, Barmherzigkeit und Nachsicht” zu folgen sucht. Richard war schon immer auf der Suche nach “dem Weg” und hatte verschiedene Meister auf der ganzen Welt, z.B. in Indien, getroffen. Diese Meister hatten in Richard schon immer großes spirituelles Potential gesehen. Nachdem Richard das aus China stammende Falun Dafa kennen gelernt hatte, begann er sofort mit der Kultivierung von Falun Dafa. Heute praktiziert er diesen Weg seit 20 Jahren und hat seinen eigenen Charakter und sein Mitgefühl für andere stark verbessert. In seiner siebenköpfigen Familie praktizieren heute fünf Mitglieder Falun Dafa. Richard hat auch eine praktizierende Frau und einen Sohn Jerome, der mit Richard Kung Fu trainiert.

Nachdem Richard begonnen hatte Falun Gong zu praktizieren, entschied er sich für eine Zeit lang kein Kung Fu mehr zu üben. Später wurde ihm klar, dass Kung-Fu-Leute eine große Vorbestimmung für die Kultivierung haben. Einmal fand eine Kampfkunstshow von chinesischen Shaolin Mönchen in der Schweiz statt. Richard war dort, um dem Publikum Flyer über Falun Dafa zu verteilen. Er bemerkte, dass 95% der Leute, die zur Show der Shaolin-Mönchen kamen, sehr an Falun Dafa interessiert waren und mehr erfahren wollten. Richard hatte eine plötzliche Erkenntnis, dass er sein Kung Fu-Wissen nutzen könnte, um andere Kampfkunst-Praktizierende mit großem Interesse an der Kultivierung zu treffen.

Ein weiteres großartiges Ereignis für Richard war, als Lehrer Li Hongzhi (Begründer des Falun Dafa) 1998 die Schweiz besuchte. Dort hielt er eine Konferenz zum Erfahrungsaustausch mit lokalen Praktizierenden ab. Richard wurde als Leibwächter von Lehrer Li ausgewählt. Für Richard war es eine große Ehre diese Aufgabe wahrzunehmen.

Richard ist oben rechts im Bild zu sehen. “Art of Zhen Shan Ren.”

Nachdem 1999 die Verfolgung von Falun Gong begonnen hatte, reiste Richard 2001 nach China, um gegen diese üble Verfolgung von Falun Dafa-Praktizierenden in China durch die Kommunistische Partei Chinas (KPCh) zu protestieren. Es gab eine Gruppe von etwa 30 westlichen Praktizierenden, die mit einem großen Banner auf den Tiananmen-Platz gingen, um ihre Unterstützung für Falun Dafa zu zeigen. Nachdem die Polizei kam, nutzte Richard seine übernatürlichen Kräfte, um sich schwer wie ein Berg und unbeweglich zu machen. Nicht einmal sechs Polizeibeamte konnten ihn vom Platz wegbringen. Erst nachdem sie freundlich mit ihm gesprochen hatten, ließ er seine Konzentration los, so dass sie ihn zum Polizeiwagen bringen konnten.

In der Polizeistation hatte Richard eine Vision, in der er die Auflösung des großen roten Drachen sah, der die KPCh symbolisiert. Er konnte sehen, dass der Drache in der Ferne majestätisch und schön war, aber bei genauerer Betrachtung war er verführerisch und böse zugleich. Auf der Polizeistation wurde den Praktizierenden der Gang zur Toilette verweigert, und nach langer Zeit spürte Richard, wie sein innerer Zorn an die Oberfläche kam. Im selben Moment, in dem er sich entschied, sich mit den Wachen körperlich auseinanderzusetzten, ließen sie ihn zur Toilette gehen und wurden sehr nett.

Teil 2 finden Sie hier